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Trojanische Gepflogenheiten

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Kurzromane

 
1. Trojanische Gepflogenheiten
2. Kapitel 2
3. Kapitel 3
4. Kapitel 4
5. Kapitel 5
6. Kapitel 6
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... die Brille ab und wischte über ihre tränenden Augen.
?Wir beide hatten nie eine Affäre oder so, aber ich war immer für sie da! Doch immer wieder hat sie mich ausgenutzt! Immer wieder musste ich entwürdigende Rollen in ihren Aufführungen übernehmen! So wie damals, Kayla??, sagte sie und lugte zu mir rüber - und ich ahnte es kommen: ?als du deinen Part abgelehnt hattest! Rate mal, wer an deiner Stelle seinen blanken Hintern ins Publikum strecken durfte?! Ich! Terry hat es genossen, mich zu demütigen!?
Nun war es raus. Das musste sie natürlich sagen, die blöde Kuh! Gott, was habe ich mich in dem Augenblick geschämt - und Vanessa drehte sich sogleich zu mir: ?Den blanken Hintern ins Publikum strecken???
?Das sah die Rolle damals vor.?, erklärte Sybil noch einmal betont.
Ich wagte es nicht, Dunn ins Gesicht zu blicken. Was würde er jetzt wohl von mir denken? Gott, war das peinlich! Jetzt hatten sie es also doch noch erfahren, und ich wusste, Vanessa würde dafür sorgen, dass bald jeder bei Steelwynch davon Kenntnis hatte. Ein furchtbarer Gedanke.
?Hmm? ich male mir gerade aus, wie man für so eine Rolle gecastet werden könnte!?, frotzelte sie. Glücklicherweise hatte Sybil das nicht auch noch erläutert.
Sybils Befragung war damit beendet und fürs Erste hatten wir ihr glauben müssen. Ich muss zugeben, einen Mord hätte ich ihr auch niemals zugetraut. Der blonde Finsterling Edward Rozz war mir da schon ein besserer Kandidat. Aber ihn konnten wir noch nicht aufsuchen. Außer einem möglichen Tatmotiv hatten wir nichts gegen ihn in der Hand. Wir marschierten zurück in unseren Arbeitsraum, um alles, was wir Neues erfahren hatten, aufzuarbeiten. Vanessa sorgte für ausreichend Kaffee und dann zogen die Stunden dahin.
?Nancy Folmer, die jene Nacktrolle am Kreuz hingeworfen hat, hat die Station zwei Tage vor dem Mord verlassen??, brütete Vanessa vor sich hin. ?Sie fällt also definitiv aus??
Ich saß ihr gegenüber und ging noch mal die Aussagen all der Schauspieler und Bühnenarbeiter durch. ?Keiner von denen konnte Terry wirklich leiden.?, resümierte ich. ?Aber ein klares Motiv hatte augenscheinlich auch keiner von ihnen?!?
?Für mich sieht es nach wie vor wie ein Affektmord aus.?, sagte Dunn. ?Miss Reyes würde dazu gut passen, aber ich glaube ihre Geschichte. Nachdem sie weg war, muss der Mörder aufgetaucht sein und ihr angefangenes Werk vollendet haben.?
?Vielleicht war es doch einer der Schauspieler.?, meinte Vanessa,  ...
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©Thomas Neumeier
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